
Der Jakobsweg ist spätestens seit Hape Kerkeling und seinem Buch „ich bin dann mal weg“ bei vielen Menschen in Deutschland bekannt. Ich muß gestehen, dass ich das Buch bisher nicht gelesen habe und dies auch nicht der Anlass meiner Pilgerschaft ist. Mein Wunsch ist bereits vor 2006, dem Erscheinungsjahr des Buches, entstanden. Mein alter Chef, A. Schan….., hat diesen Samen bei mir gesäht. Nach seiner Pensionierung radelte er ab der französisch-spanischen Grenze zum Grab des Apostels Jakobus. Damals sagte ich mir, dass machst Du zu fuß und ab Aachen. So gingen die Jahre ins Land und endlich, ab 2026 habe ich nun die Muße, mich an dieses Projekt zu wagen. Nun starte ich nicht ab Aachen, sondern beginne meine Pilgerschaft in Koblenz-Stolzenfels. Hier beginnt der Mosel-Camino ( http://www.mosel-camino.info ), der mich in 8 Etappen mit insgesamt 160km nach Trier führen wird. Dort erwartet mich dann mit dem Grabmahl des Apostels Matthis, das Grab eines der Jünger Christi. Die Literatur spricht hier vom einzigen Grab nördlich der Alpen. Merket auf, der aufmerksame Leser wird sich nun fragen und was ist mit dem Grab vom Jakobus? Liegt das nicht auch nördlich der Alpen? Die Frage ist berechtigt und wird zu gegebener Zeit noch behandelt, wahrscheinlich wenn ich in Santiago angekommen bin.
Aber lassen wir das spirituelle zunächst am Wegesrand liegen und kümmern wir uns erst einmal um nackte Fakten. Nach meiner heutigen (3.5.) Anreise mit der Bahn, checkte ich in der Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein in Koblenz ein, genoß bei angenehmen Temperaturen auf dem Festungsplatz noch einen Mai Tai (Jugendherberge!!) und freute mich auf mein Abendessen. Wer 1st. fliegt muß auch 1st. in einer Jugendherberge unterkommen!
Ich habe ein 6 Bettzimmer mit Bad, Einzelbelegung und Vollpension. Ihr dürft mal raten, was das kostet. Die Auflösung folgt.
Gegen 18:00 werde ich dann zu Abend essen und noch ein Bierchen genießen, bevor es dann zeitig aufs Zimmer geht. Morgen dann, bei angekündigtem durchwachsenem Wetter, geht es auf die erste Etappe.
Was erwartet mich, bzw. was habe ich vorab gebucht, denn anders als in Frankreich oder Spanien, gibt es hier sehr wenige Pilgerunterkünfte. Wer nicht unter der Brücke schlafen will, sollte vorausschauend planen bzw. buchen. Natürlich werde auch ich, im späteren Verlauf meiner Wanderschaft, im Zelt oder der Hängematte im Wald übernachten, aber jetzt will ich erst einmal prüfen, ob ich mit 13KG Marschgepäck überhaupt lebensfähig bin.
Was erwartet mich nun?
- Koblenz Stolzenfels – Alken: 19km
- Alken über Treis Karden – Kloster Engelport: ca.27km
- Kloster Engelport – Bullay: ca. 18km
- Bullay – Traben Trarbach: 23km
Folgende Unterkünfte habe ich gebucht:
3.-4.5.:Koblenz,Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein,81,50€ VP
4.-5.5.:Alken, Pension Christa Christ, 35€ üF
5.-6.5.:Treis-Karden, Kloster Maria Engelport, 98€ HP
6.-7.5.:Bullay, Gästehaus Budinger, 55€ üF
7.-8.5.:Traben Trabach, Alte Lateinschule, 45€ üF
Gerade schlägt es 18:00 Uhr. Ich gehe nun Essen und danach geht es zeitig aufs‘ Zimmer. Gute Nacht – der noch ambitionierte Pilger.

4.5.
Was für ein Tag! Ich weiß nicht, wer mich geritten hat! Vielleicht dachte ich ja, wer unvorbereitet und ungeübt den Camino beschreitet, der wird schon von unsichtbaren Engeln getragen. Werte Leserschaft, ich kann dazu nur Bull Shit sagen. Der heutige Tag war vielmehr ein Ding von vielem. Hochgefühl wegen des tollen Wetters, Genugtuung den ersten langen Aufstiegt, vom Rheintal hinauf zum Hunsrück Kamm geschafft zu haben, Euphorie beim Stempel sammeln und Freude, gegen 13:00 die erste große Pause genießen zu können. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, ich wäre einfach wie eine Maschine weitergelaufen, denn nach der 30 minütigen Pause, schmerzte auf einmal alles. Die Füße brannten, die Beine waren schwer und meine Schultern sendeten ein Staccato von Schmerzimpulsen Richtung Großhirn. So muß sich wohl der wahre Pilger fühlen und wenn das nicht schon genug gewesen wäre, so fing es dann alsbald an zu regnen. Nein, nicht so ein schöner Landregen, es mußte etwas mehr von Petrus kommen, er dachte wohl, etwas Kühlung würde mir guttun und was soll ich sagen, so war es auch. Bei strömendem Regen setzte ich Fuß um Fuß und um 15:30 erreichte ich pünktlich mit dem letzten Tropfen meine Unterkunft. Das Mitleid meiner Herbergsmutter war mir natürlich gesichert und zu meinem Glück, bin ich heute der einzige Pilger/Gast in dieser Unterkunft. Es hört somit niemand mein Stöhnen in der Nacht, wenn ich vielleicht einen Krampf bekomme. Aber reden wir lieber noch etwas über die schönen Dinge des heutigen Tages. Jawohl – ich bin richtig stolz auf mich. Die ersten Stunden waren ein Traum. Super Wetter, tolle Farben am Wegesrand, wenn die gelben Rapsfelder den blauen Himmel fast berühren. Das Zirpen von Insekten und das Singen der Vögel in einem menschenleeren Wald und natürlich die wenigen Momente, wo ich einfach nur lief und rings um mich herum die Welt in Stille versank. Zugegeben, letzteres war am ersten Tag noch recht selten und Morgen rechnen ich überhaupt nicht mit solchen Glücksmomenten. Aber das ist noch 12 Stunden von jetzt an entfernt und vielleicht wird es ja doch nicht so schlimm. Mit einem Bild verabschiede ich mich für den heutigen Tag und wünsche mir eine gute und erholsame Nacht.
Bild

5.5.
Werte Leserschaft, ist es nicht ganz natürlich, nach so einem Wandertag und einem leckeren Gyros, wie ein Stein ins Bett zu fallen und womöglich nicht vor Ablauf von 12 Stunden aufzustehen? Was ist nur mit mir los? Der Schreiberling lag also ab 21:00 im Bett und konnte zuerst vor lauter Muskel-, Gelenk- oder was auch immer Schmerzen nicht einschlafen. Als es mir dann endlich gelungen war, war ich alsbald schon wieder wach. Die Uhr zeigte gerade Mitternacht. Was ist, in einem solchen Fall zu tun? Ich für meinen Teil griff zur Flasche oder besser meinem Flachmann. Wohlweislich hatte ich mir eine Portion vom guten Rum, den Rum, den ich wohlweislich vor den Gästen verstecke, mit genommen. Davon dann zwei gute Schlückchen, ich schwör es waren bestimmt nicht mehr! Der Wecker weckte mich dann pünktlich um 6:00 in der Früh.
Meine Muskelbeschwerden waren vorübergehend verschwunden und nach dem leckeren Frühstück ging es dann auf die heutige Monstertour zu den Anbetungsschwestern im Kloster Engelport. Es lagen 30km vor mir, bis 15:00 wurde ich vom Regen verschont und insgesamt dauerte diese Wanderung 8 Stunden zzgl. 2 mal 30 Minuten Pausen. Von Alken ging es zuerst zur Burg Els, dann nach Treis und dann weitere 9km durch ein enges Tal und immer bergan. Mein Ziel, das Kloster Maria Engelport. Gegen 15:00 setzte der obligatorische Regen ein, den ich diesmal aber vorbereitet und mit Langmut ertrug. Als dann die letzte Kehre geschafft war und ich aus 500 Meter Entfernung das Kloster erblickte, war das eine Erleichterung für mich. Gegen 16:30 betrat ich den Kosterladen, eine Nonne erklärte mir die Räumlichkeiten und ein wenig später genoß ich eine lauwarme Dusche. Wir sind schließlich im Kloster, dass hier ist nicht zum Vergnügen. Selbstverständlich gehört auch der Besuch mindestens einer heiligen Messe zu dem, was von einem Pilger erwartet wird. Heute Abend war ich dafür aber zu malad, ich werde es Morgen nachholen. Nun schlägt gerade die Glocke im Kloster, wir haben 19:00 Uhr und es gibt Abendessen. Danach trinke ich im Klosterkeller noch ein leckeres Klosterbier und dann werde ich hoffentlich mit oder ohne Wundermedizin hervorragend schlafen. Morgen ist wahrscheinlich das Wetter durchweg regnerisch, dafür erwartet mich nur eine überschaubare Strecke. Gute Nacht Deutschland.

6.5.
Werte Leserschaft, habe ich Sie mit meinem Bericht bereits etwas angesteckt? Ist Ihr Rucksack bereits gepackt oder liegen Sie lieber wie Brutus auf der Couch und genießen Sie wollüstig meine Qualen? Ich muß gestehen, zeitweise hat meine Wanderschaft schon etwas mit Selbstgeißelung zu tun. Aber, das muß nicht sein. Entweder die Touren etwas kürzer fassen oder das Augenmerk stärker auf die Gepäckfazilitäten richten. Niemand braucht für einen 4 Tagestrip einen Rucksack mit 13KG Gewicht und dazu kommen ja noch 2 Liter Wasser und das ein oder andere Brötchen.
Aber die masochistische Jungfrau in mir, wollte es halt wissen und wenn ich tatsächlich nach diesen Tagen nicht genug habe, dann brauche ich die 13KG, wenn ich länger und weiter Reisen will. Somit ignoriert mein Klagen und labt Euch in meiner Unvernunft.
Ist das jetzt alles, warum ich diese Tour unternehme? Nein, dazu habe ich ja bereits etwas geschrieben und seit dem ersten Tag gewinnt ein weitere Grund, von Stempel zu Stempel, mehr an Gewicht.

Es ist einfach erstaunlich, gebt den Menschen Stempel für Ihre Sammelbücher und der Belohnungseffekt tritt ein. In meinem Fall ist das der Pilgerpasse (erstes Bild) und der muß halt gefüllt sein. Denn nur so, winkt ganz zum Schluß die goldene Ehrenurkunde in Santiago. Wenn ich ehrlich bin, sind zwar nur die Stempel auf den letzten (100-200km??) Abschnitten in Spanien maßgeblich, aber da kennt die Welt die Jungfrau nicht. Das rede ich mir zumindest gerade ein.
Ein weiteres wichtiges Equipment ist der Outdoor Wanderführer von Karl-Heinz Jung (ISBN 978-3-86686-860-1) über den Mosel Camino. Das Büchlein ist mit ca. 100 Seiten recht übersichtlich und beschreibt hervorragend, die Touren und so manches links und rechts des Hauptweges. Besonders hervorzuheben ist eine topografische Karte des „Leidens“. Hier sieht man dann sofort, was einen erwartet. Heute z.B. waren es etwas nur 23km, ca. 6 Stunden, 795 Meter aufwärts und 754 bergab. Was nicht im Buch stand, war der Regen, der mich ab 13:00 für 2 Stunden segnete. Aber der Regen war am heutigen Tag nicht mein Problem. Zuerst war alles super, nach einem sehr leckeren Abendessen und 2 Flaschen Klosterbier machte ich es mir in meiner gemütlichen Klause bequem und schlief selig bis 6:00 in der Früh. Um 7:00 besuchte ich die Laudes in der Klosterkirche und ab 7:45 gab es Frühstück. Um 8:30 verließ ich das (sehr empfehlenswert für 1-3 Tage) Kloster und tauchte alsbald in einen verwunschenen Urwald ein.

Es ging stetig bergan, heraus aus dem Tal und nach 3km hatte ich es endlich geschafft. Bis Beilstein war der Weg nun flach, das Wetter spielte mit und ich freute mich schon auf ein leckeres Schnitzel. Ab Beilstein folgte dann der weniger schöne Teil der heutigen Tour (ich hätte auch ein Schiffchen nehmen können). Die nächsten 6km ging es ununterbrochen bergan und das immer am schmalen Fahrbahnrand einer Landstraße, mit Tuchfühlung zur Leitplanke. Nach einer gefühlt endlosen Zeit, war der Horror vorbei und ich konnte wieder sicheres Terrain betreten. Von nun an verlief der Weg eben oder fallend und der einsetzende Regen war nur noch Nebensache. Ab KM 16 schmerzten dann die Schultern und das alte Problem mit den Füßen machte sich bemerkbar. Gut ist, das war viel später als bisher, schlecht war, mir steckte noch die Horrortour von gestern in den Knochen. So kämpfe ich mich mit 3km pro Stunde vorwärts und erreichte dann endlich gegen 15:00 den Ortsrand von Bullay. Ich mußte nur noch 2000 Meter bis zu meiner Unterkunft gehen, ich konnte aber nicht mehr. Zum Glück war dort am Ortsrand ein Picknickplatz und so konnte ich etwas essen und Energie tanken. Nach 30 Minuten war alles paletti, ich erreichte ohne Probleme meine Unterkunft und werde für den heutigen Tag, diese auch nicht mehr verlassen. Freuen wir uns auf den Abschluß. Morgen soll es nicht regnen, weniger als 24km erwarten mich, garniert ist das mit 1000 Höhenmetern und diese vor allem am sogenannten „Brummkopf“, na wenn das keine Ansage ist?
Zum Schluß erwartet mich dann erstmals eine richtige Pilgerunterkunft. Ein Schlafsaal in der alten Lateinschule. Aber davon mehr an einem anderen Tag.
7.5.
Werte Pilgerschaft, die es noch werden wollen oder die ich hinreichend abgeschreckt habe. Der heutige Tag, war der Tag der Leiden. Die Tour war eine Herausforderung. Ich startete gegen 8:00 und erreichte meine Unterkunft gegen 19:00 Uhr. Ok – ich machte dazwischen auch 3 Pausen von jeweils 30 Minuten. Diese hatte ich echt nötig. Die alte Dampflok hatte es nach den 2 Steigungen auch bitter nötig, wobei ich mehr mit meinen Füßen ein Problem hatte und nicht so sehr mit der Kondition. So langsam merke ich, dass das tägliche Training wirkt. Den Rucksack kann ich jetzt mehr als 5 Stunden schmerzfrei und ununterbrochen tragen und eine kurze Pause hilft, den ganzen Tag durchzustehen. Aber was ist da los mit meinen Fersen und Zehen? So langsam drängt sich der Verdacht auf, dass es Gicht ist. Ich werde wohl mal den Doc konsultieren.
Aber zurück zum Thema, kein Regen, etwas Sonne, kein Wind und meistens nicht mehr als 18 Grad. So etwas nennt man ideales Wanderwetter.
Am Ende der Bergsteigungen wurde ich mit wunderbaren Aussichten über das Moseltal belohnt, an so mancher Kapelle hielt in kurz an, um Andacht zu halten, im Wald begleitete mich so manches mal das Spechtklopfen, anderen Pilgern begegnete ich jedoch seltener, dafür unterhielt ein Anwohner eine kostenlose Pilgertränke und ganz zum Schluß hatte ich eine einsame Gastwirtschaft im Walde an der Grevenburg für mich allein. Hier hätte ich noch gerne mehr als nur ein Belohnungsbier getrunken, aber beim nächsten Aufenthalt an der Mosel, da habe ich nun einen „Must See“.
Ein paar Impressionen füge ich noch an.
Zum Schluß hatte ich auch noch Glück mit meiner Pilgerunterkunft. Ich bin der einzige Gast, der Schlafsaal ist mein und niemand hört mein Schnarchen.
Mein Fazit, ich bin froh, dass die erste Runde geschafft ist, ich bin an meine Grenzen gegangen und brauche jetzt etwas Erholung. Mache ich weiter? Auf jeden Fall. Auch kurzfristig? Mal sehen.










Fortsetzung
10.7.2026
Werte Leserschaft, ich weiß, je älter der Proband wird, desto mehr erzählt er von seiner Krankengeschichte. Ganze Partys werden heute mit Krankengeschichten ausgestaltet. Ich weiß, wovon ich rede, und wurde gleichzeitig zum Fachmann für das ein oder andere Zipperlein. Klar gibt es auch die ganz Harten in meinem Freundeskreis, die reden nicht viel darüber, besuchen dann aber regelmäßig Professor Doktor, um ihre Leidensgeschichten zu besänftigen. Von diesen kann ich leider nichts lernen, von den ersteren aber habe ich das Geraune von Gicht und Rheuma aufgeschnappt. Warum erzähle ich das? Nun, liebe Leser, bei meinem ersten Tourabschnitt hatte ich ja bekanntlich Schmerzen in den Füßen und mein innerer Doktor wusste natürlich sofort Bescheid. Ich hatte einen leichten Gichtanfall in den Zehen und einen Fersensporn am rechten Fuß. Nachdem mein Onkel Doktor mir diesen entfernt hatte und ich meine Harnsäure im Blut reduzieren konnte, stand einer Fortsetzung meiner Wanderschaft nichts mehr im Wege. So plante ich zwischen dem 10. und 12. die restlichen Etappen und am 13. ging es wie folgt auf die Wanderschaft:
Route:
5.0. Traben-Trarbach ==> Bernkastel-Kues: 6,4km
5.1. Bernkastel ==> Monzel: 12km
- Osann-Monzel ==> Klüsserath: 19km
- Klüsserath ==> Schweich: 14,3km
- Schweich ==> Trier (Grab des Apostels Matthias): 20,3km
Unterkünfte:
13.-14.7.: Maria Marx (0151-17320226) in Monzelfeld (Fahrservice und HP): 60€
14.-15.7.: Weingut zur Traube: üF 57,50€
15.-16.7.: Manfred Heinsdorf: üF 50€
16.-17.7.: Hotel zum Stern: ü 71,50€
17.-19.7.: Römerstadt Jugendherberge: EZ+VP 156€
13.7.
Heute Morgen startete ich mit der Bimmelbahn zuerst nach Ddorf. Dort nahm ich den Zug nach Koblenz. Mit reichlich Verspätung schaffte ich es dann so grad noch, den Zug nach Saarbrücken zu entern, um in Bullay dann letztlich den Bus nach Traben-Trarbach zu nehmen. Dank vorhandenem Deutschlandticket alles für „umme“ oder anders formuliert, gegen 7:00 gestartet und um 12:45 pilgerbereit für die erste Etappe nach Bernkastel-Kues. 6,4 km musste ich nun in brütender Hitze und voller Sonneneinstrahlung bewältigen. Die ersten 4 km ging es stetig bergan, meistens ohne ein schützendes Pflanzendach über meinem Haupt. Ich weiß nicht, ob mein Gesicht oder die Unterhose nach diesem ersten Teilabschnitt feuchter waren. Als ich dann endlich den Scheitelpunkt erreicht hatte und ein schattiges Plätzchen zum Wassertanken fand,

ging es alsbald 2,4 km abwärts. Immer abwärts, wie ich das hasse! Was mich auf dieser kurzen, aber herausfordernden Etappe am Leben hielt, war die Gewissheit auf ein kühles Blondes am Zielpunkt meiner Reise.

Nach 4 großen Bier und endlich lockeren Beinen begab ich mich zum Treffpunkt und wurde durch meine heutige Herbergsmutter abgeholt und nach Monzelfeld kutschiert. Hier erwartete mich ein gemütliches EFH mit einem fantastischen Gäste- und Badezimmer im Keller (schön kühl). Nach einer Dusche und anderen Klamotten wurde dann für mich frisch gekocht und das ein oder andere Bierchen auf der Terrasse gekillt. Die Zeit verging bei einem sehr angenehmen Gespräch wie im Flug und so sitze ich nun gegen 23:45 Uhr noch bei diesen Zeilen, um nicht bereits am ersten Tag in Verzug zu geraten. Mein Fazit zu dieser Unterkunft: sehr empfehlenswert. Gute Nacht Maria & Deutschland!
14.7.
Was schlief ich gut. Es geht doch nichts über einen Schlafplatz im Kellergeschoss, wenn es draußen brütend heiß ist. Gegen 6:30 genoss ich ein kühles Bad und um 8:00 ein reichhaltiges Frühstück. Danach brachte mich Maria zurück nach Bernkastel zur Moselbrücke und ab da startete meine heutige Etappe nach Osann-Monzel. Leider hatte ich bei Maria nicht im Blick, dass es hier an der Mosel schon früh recht warm wird. So stand ich dann gegen 10:00 Uhr an der Moselbrücke in Bernkastel und mir war klar, das wird ein feuchter und schweißtreibender Tag. Andererseits hatte ich zuerst nun 6,5 km entlang der Mosel vor mir, schön im prallen Licht unseres Zentralgestirns, aber dafür keine Steigungen. Bereits nach 2 km kam ich dann am Geburtshaus von Nicolaus von Kues vorbei und hier ist nun die tägliche Portion Wissen angesagt. Wem sagt der Name etwas? Liebe Leserschaft, enttäuscht mich nicht. Vom Universalgelehrten Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) haben wir alle etwas gehört, und wenn es nur „Fack ju Göhte“ war. Bereits Jahrhunderte davor wurde an der Mosel ein anderer Universalgelehrter geboren. Nicolaus Krebs (1401–1464) war u. a. Kardinal und Bischof von Brixen, päpstlicher Gesandter in Konstantinopel und Generalvikar im Vatikan. Seine sterblichen Überreste ruhen in San Pietro in Vincoli/Rom. Sein Herz aber wurde entnommen und hier an der Mosel beerdigt. Genauer im örtlichen Cusanusstift in Kues. Dem ältesten und immer noch bestehenden Altersheim für bedürftige Männer. Stifter war der Nicolaus und soweit ich weiß, dürfen zwischenzeitlich auch Hexen, sorry, ich meine natürlich Frauen, dort aufgenommen werden. So stand ich nun vor seinem Geburtshaus und nach einem kurzen Gespräch mit dem Kurator des Hauses musste ich weiter.
Nach insgesamt 6,5 Kilometern, vorbei am Schloss Lieser (sehenswert), ging es an der nächsten Moselbrücke nicht auf die andere Seite, sondern ab in den Wald und hinauf auf die Anhöhe. Noch ein kleiner Blick in den Fluss Lieser mit tatsächlich Forellen im Fluss und dann floss der Schweiß in Strömen. Die nächsten Kilometer ging es entweder bergan oder aber durch die Weinberge. Der Riesling mag die Sonne und die leckere Wärme, ich hingegen reagierte mit deutlicher Transpiration. Meine 1,7 Liter Wasservorräte fanden sich später in der durch und durch geschwitzten Kleidung wieder. Merket auf, liebe Leserschaft, es machte keinen Unterschied, ob ich in die Mosel sprang oder durch die Weinberge triefte. Als ich gegen 14:00 Uhr Osann-Monzel erreichte, rettete mich vor der Auflösung tatsächlich die dortige Pfarrkirche St. Nikolaus. Kirchen sind meditativ, besinnlich, ruhig, aber vor allen Dingen kühl. Gegen 14:30 lagen dann noch 500 Meter bis zu meiner Unterkunft vor mir. Geschafft!
15.7.
Meine Unterkunft in Monzel war schön. Besonders habe ich genossen, dass die Oma des Hauses ein kleines Restaurant betreibt und es dort gute Hausmannskost von 18:00 bis spätestens 19:30 gibt. Dazu noch kühles Bier oder ein Hauswein. Nach dem Essen wurde es dann auch endlich kühler und in meinem Eckzimmer konnte ich für richtig Durchzug sorgen. Nachts wurde es dann sogar empfindlich kühl und ich musste doch tatsächlich unter die Schlafdecke, ansonsten schlief ich sehr gut. Heute ging der Wecker um 6:00 Uhr, das Frühstück hatte ich mir um 7:00 Uhr gewünscht und da ich der einzige Gast war, gab es da auch keine Probleme. Mein Essen war äußerst reichhaltig und der Aufschnitt von bester Qualität, was vom Metzger würde ich sagen. So gestärkt machte ich mich gegen 8:30 bei lauschigen 17 Grad auf den heutigen Tagestripp. Erst ging es 4 km stramm bergauf und trotz der recht kühlen Temperaturen schnaufte die alte Dampflock bedenklich. Danach ging es durch lichte Wälder, das Thermometer zeigte zwischenzeitlich bereits 28 Grad, aber das störte mich nicht. Nach weiteren 4 km erreichte ich mein erstes Etappenziel. Ein Wallfahrtsort mit einer sehenswerten Kirche.


In Klausen gibt es auch einen städtischen Dorfladen und eine Pilgerunterkunft. Beides wird von der Gemeinde betrieben. Ich hätte gerne dort übernachtet, leider war meine Terminplanung zu kurzfristig für die hiesige Beamtenschaft. Man brauchte mehr Vorlauf! Dafür war der Laden eine echte Bereicherung, besonders die gekühlten (eiskalten) Getränke waren ein Labsal. So heruntergekühlt waren die restlichen 11 km heute ein Klacks. Ich merke die Vorzüge meiner Schuheinlagen, das Training der ersten Tour und die Tatsache, dass ich diesmal nicht sofort mit 20 km gestartet bin. Merket auf, liebe Leserschaft, ich bin in Teilen lernfähig. Von dieser Tour, gibt es nicht mehr viel zu berichten. Außer auf den ersten Kilometern ging es meist sacht bergab durch viele Waldgebiete und einige offene Wiesen. Natürlich musste ich zum Schluss herunter ins Moseltal. Doch bevor es dazu kam, erwartete mich noch eine Überraschung. Oberhalb von Klüsserath haben die Winzer eine sehenswerte Location eingerichtet.



Neben gemütlichem Mobiliar gibt es hier eine automatisierte Theke. Gegen Legitimation mit dem Ausweis oder Führerschein hat man Zugriff auf einen gut gefüllten und vor allen Dingen super gekühlten Weinschrank. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis: Cash in ein „Sparschwein“ oder mittels QR-Code über PayPal. Neugierig auf die Preise? Nun, ich gönnte mir eine 0,7-l-Flasche Winzersekt brut nebst einer großen Flasche Sprudel. Zusammen machte das dann 17,50 €. Danach kann ich mich nicht mehr ganz erinnern, wie ich die letzten km vom Berg heruntergekommen bin – grins. Irgendwann stand ich dann aber vor meiner empfehlenswerten Unterkunft. Einzig die Dachlage führte dazu, dass ich nicht gleich ins Bett gesunken bin. Ich wollte noch etwas speisen und damit, liebe Mitleser, hatte ich das einzige Problem des heutigen Tages. Klüsserath ist bestimmt ein toller Ort. Wer weiß nicht, dass es hier die längste Steillage an der Mosel gibt? Bestimmt sind die Weine außergewöhnlich, der englische Hof bestellt hier den Riesling. Will man jedoch an einem Mittwoch hier etwas essen, so muss man „Lucky“ haben, denn nur die indische Pizzeria Lucky hat geöffnet. Was für ein trostloser Ort mit einer so berühmten Lage.
16.7.
Die heutige Strecke von Klüsserath, dem am Mittwoch trostlosen, nach Schweich, wo der Bär steppt, ist nur 14,3 km lang. Merket auf, ihr lustvollen Voyeure, warum ist diese Strecke so kurz? Weil Sie es in sich hat. Es gibt bereits auf den ersten 8 km zwei knackige Anstiege von jeweils 450 Höhenmetern. Zuerst geht es vom Moseltal in die Höhe und hat man dieses gerade erreicht, geht es in ein Seitental und dann sofort nochmals 450 Meter in die Höhe. Schön wäre es, wenn dies im Wald geschehen würde, leidvoll ist es bei 35 Grad im Weinberg.
Körperlich kam ich damit ausgesprochen gut zurecht. Als ich nach 4 Stunden Wanderschaft und zurückgelegten 12 km Rast machte, war ich jedoch Mr. Wet T-Shirt, Hose und Unterhose. Nichts, rein gar nichts war mehr trocken an mir. Nach einer Stunde ging es dann weiter und die restlichen 2,5 km waren ein Klacks. Ich weiß nicht, ob ich mir für morgen etwas Regen wünschen sollte. Was meint Ihr?
Die Stadt Schweich hat ca. 8000 Einwohner und hier gibt es dann auch tatsächlich viele Geschäfte und Restaurants, die zudem an einem Donnerstag auch geöffnet haben. So konnte ich mehrere Humpen Bier trinken und abends dann einen leckeren Wurstsalat zu mir nehmen. Wir wollen es aber nicht übertreiben. Um 20:00 Uhr war Zapfenstreich und ich genoss die wohligen 31 Grad in meinem Hotelzimmer. Einfach herrlich, wenn der Schweiß sich im Bauchnabel sammelt und Mann gespannt auf 23 Uhr wartet, damit endlich die Außentemperatur unter 22 Grad fällt. Während meiner Wanderschaft denke ich immer intensiver über eine Klimaanlage für zuhause nach – wenn das die GRÜNEN wüssten 🙂 .

Gute Reise wünsche ich dir und dass du blasenfrei die Etappen wie geplant schaffst. An der Mosel kennst du dich ja aus. Lass‘ es dir gut gehen.
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Lieber Ralf,
da ich Deinen Blog abonniert habe, bekam ich natürlich die Nachricht, dass Du unterwegs bist. Hatte zunächst an einen Motorrad-Trip gedacht, aber das ist ja was ganz Besonderes. Ich begleite Dich auch auf dieser aussergewöhnlichen Reise sehr gerne und bin gespannt, was noch alles auf Dich zukommt.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Durchhaltevermögen sowie schöne inspirierende Erlebnisse und Eindrücke.
LG aus Aachen
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