Russland – Game Over (31.8. – 10.9.19)

Es klappte gut auf der unbefestigten Straße, zu gut, ich wurde unvorsichtig. Nach mehr als 30 Minuten Fahrt übersah ich ein größeres, tiefes Sandloch. Die Maschine schlingerte, ich schaffte es noch die Geschwindigkeit auf 25 km/h zu reduzieren aber letztlich verlor ich die Kontrolle und prallte schräg in eine Böschung. Der Aufprall und Sturz war unvermeidlich.

31.8. ca. 20:00, im Nirgendwo, Game Over.

Komisch, was einem in so einem Augenblick durch den Kopf geht. Bei mir war es, Scheiße, die 🐮, wie komme ich hier weg, wer hilft mir? Kein Gedanke ans eigene Befinden.

Zum Glück war ich nicht allein, kurz hinter mir folgte ein Minibus und ein kleiner Kasten-LKW. Die stoppen sofort und halfen mir auf. Sobald ich stand durchfuhr mich ein stechender Schmerz am linken Fuß. Nochmals Scheiße – vielleicht gebrochen. Aber ob der geneigte Leser das nun Glauben will oder nicht. Unter Schock stehend war mir das Scheiß egal. Was zählte waren die bereits oben formulierten Fragen. Die Jungs aus dem Minibus richteten die Maschine auf, der LKW Fahrer bot an, mich in die nächste Werkstatt, nach Astrachan zu bringen. Prima, da wollte ich sowieso hin. Ironie aus!

Ich war einfach nur froh, dass es helfende Hände gab, die meine Maschine, immerhin ca. 250kg anhoben und in den Laderaum des Klein-LKW schoben. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nur humpeln. Man half mir ins Führerhaus und da merkte ich, dass der Fahrer mit seiner Frau unterwegs war. Sie hatte Platz gemacht und saß hinten. Wir fuhren los und als mein netter Fahrer merkte, dass ich Schmerzen hatte, durfte ich die Rücksitzbank mit seiner Frau tauschen. Hinten war es wesentlich bequemer, ich konnte mich legen, und die Stiefel ausziehen, was für eine Wohltat bei den Schmerzen im Fuß. Die nächsten Stunden verschlief ich, kurz wachte ich auf, wenn vorne im Radio der Muhezin rief. Die Beiden waren Gläubige. Irgendwann in der Nacht stoppten wir, Fahrer und Frau stiegen aus und ließen mich allein im Auto. Auf der Rücksitzbank gab es ein Kissen und Decken und so konnte ich getrost die Nacht dort verbringen. Mein Fuß schmerzte.

1.9.

Im Morgengrauen wurde ich automatisch wach und erst jetzt realisierte ich so recht, was passiert war und wie dumm ich mich verhalten hatte. Aber, so war mir auch klar, die Reise in der ursprünglich geplanten Abfolge war gestern gegen 20:00 zu Ende gegangen. Urplötzlich und nicht mehr zu korrigieren. Ich mußte umplanen. Aber zuerst mußte ich einmal aufstehen, mein Retter wartete außerhalb des Wagen und lud zum Frühstück ein. Doch wo waren wir eigentlich? Als ich Ausstieg bekam ich eine Vorstellung von den Lebensverhältnissen, in denen der brave Moslem lebte. Ein weites Schilffeld, mitten darin ein ausgedienter Schiffskontainer, als ein Zimmer Wohnung und daneben eine Holzhütte für seine zwei Kinder. Gerne hätte ich dieser Familie meine Gastgeschenke überreicht, aber ich kam nicht daran. Beim Verlassen des LKW mußte ich auftreten und mein Fuß meldete sich wieder schmerzhaft. Beim Tee, Brot, Gurken und einer Art Fäta Käse konnte ich dann erstmals einen Blick auf das schmerzende Teil am Ende meines Beins werfen. Geschwollen und am Knöchel in allen Farben leuchtend, begrüßte mich mein Fuß. Scheiß Kerl!

Ich tastete unter Schmerzen den Knöchel ab und Professor deriben entschied, entweder Sehnenabriss oder starke Prellung des Knöchels. Die Frage meiner Gastgeber ob Sie mich zum Arzt bringen sollten, verneinte ich. Ich wollte etwas tun, ich brauchte die Kontrolle zurück. So bat ich um Transport in eine Werkstatt. Und wie bei Aladin und die Wunderlampe wurde mir mein Wunsch gewährt. Könnte ich nur genauso leicht den gestrigen Tag löschen.

Wir fuhren nach Kamysjak oder Kamyzyak, das liegt ca. 30 km südlich von Astrachan an der Wolga oder besser gesagt mitten im Wolgadelta. Wer es genauer will, folgend die Koordinaten für Google Maps: 46 06 19.15N 48 04 12.99E

oder einfacher 46.105321, 48.070275

Wir suchten eine Motorradwerkstatt auf und der Eigentümer Kirill erweist sich als Glücksfall. Zuerst fragt er nochmals danach ob ich einen Arzt brauche, dann bringt er mich zu einem Telefonladen und als wir da nicht weiterkommen, man akzeptiert meinen Pass nicht, zu einem Zweiten. Auch dort gibt es Probleme und dann meldet er kurzerhand alles auf seinen Namen an. Nun habe ich wider ein einfaches Telefon mit russischer SIM und für das iPad eine SIM mit LTE und 50GB. Das Ganze für 800 Ruben (Kurs 73 zu 1€).

Danach ging es zu meiner Unterkunft, er und der freundliche LKW Fahrer hatten mir eine Herberge besorgt. Da die Reparatur mindestens 7 Tage dauern wird, bräuchte ich etwas preiswertes, so meine Freunde. Ich kam unter in einer typischen russischen Herberge. Mütterlich geführt, spartanisch, aber soweit sauber. Das Zimmer ist ok und weder warm noch zu laut. Dusche und WC befinden sich auf dem Flur, aber das kümmert mich nicht. Zuerst zeigte man mir das Doppelzimmer zu 900 Rubel die Nacht, das war mir zu teuer, ich denke schon etwas an die Reparaturkosten und welchen Eindruck Kirill von mir bekommt. Deshalb möchte ich auch die preiswerte Version, das Einzelzimmer zu 500 Rubel sehen. Der Unterschied ist das Doppelbett und die Raumgröße, das brauche ich nicht. So zahle ich im Voraus für 7 Tage mit der Kreditkarte. Nun müssen wir nochmals zur Werkstatt, damit ich meine Sachen abholen kann. Zusammen mit Kirill schleppe ich alles ins erste Stockwerk und danach bin ich echt fertig. Der Fuß schmerzt höllisch. Aber jetzt muss ich erst einmal Dani kontaktieren und Ihr mitteilen was passiert ist und das es mir soweit gut geht. Da ich nun eine Datenleitung habe, aktiviere ich mein VPN (Nord VPN) und per BBM tauschen wir uns aus. Die liebe Dani ist ziemlich aus dem Häuschen und so nutze ich mein Telefon für ein kurzes Gespräch. Danach ist der ADAC dran. Zuerst nur per Mail. Die ADAC Notfall App muss ich mir erst noch auf dem iPad herunterladen und zur Freischaltung fehlt mir meine Mitgliedsnummer. Erfreulicherweise meldet sich der ADAC per Mail sofort. Ich soll anrufen bzw. meine Mobilnummer mitteilen. Parallel teilt mir Dani per BBM meine Mitgliedsnummer mit. So bin ich gerüstet für den Rückruf. Auch habe ich zwischenzeitlich die ADAC App auf meinem iPad installiert. Die 50GB sei Dank. Dort kann ich auch meine Position bestimmen. Nicht, das dass auch mit anderen Apps möglich wäre, aber so dachte ich mir, wenn der ADAC dir schon helfen soll, mach es ihm so einfach wie möglich. Was soll ich sagen, der erste Anruf war etwas enttäuschend. Die Dame sprach von Überlastung da Hauptsaison sei und Minderungspflicht wegen Rücktransport. Außerdem könne Sie mich mit den angegebenen Koordinaten, wohlgemerkt aus der ADAC App, nicht lokalisieren. Den Ort würde Sie auch nicht finden, den Begriff Wolgadelta und die Großstatd Astrachan, damit könne Sie nichts anfangen. Mit Google würden der ADAC nicht zusammenarbeiten. Aha

Wir einigten uns darauf, dass ich nochmals alles per Mail schreiben würde und ich selbstverständlich alles mögliche für eine Reparatur versuchen wollte. Kirill ist ja schon dabei. Trotzdem wollte ich einen Joker in der Hinterhand haben. Mein Transitvisum läuft in 19 Tagen ab. Dann muss ich, am Besten mit der 🐮 das Land verlassen haben.

Somit aktivierte ich noch eine dritte Option. Slava, von KTM Slava Tours. Die Firma, die meinen Transport nach Georgien organisiert hat. Slava meldete sich kurz und knapp. Seine Rückmeldung, kein Problem, ich organisiere das. Nun gebe ich mir 7 Tage Zeit. Wenn möglich überführe ich die Maschine nach Georgien und fliege ab Tiflis zurück. Wenn dies nicht möglich ist, veranlasse ich einen Rücktransport – nach Ablauf von weiteren 7 Tagen – über den ADAC mit Slavas Hilfe. In der Zwischenzeit erholt sich mein Fuß und ich kann die Umgebung erkunden.

2.9.

Nachdem ich gestern alles organisatorische geklärt hatte, folgte nur noch Dusche und WC und dann wartete das Bett auf mich. Ich schlief sofort ein und erwachte erst im Morgengrauen. Ich bilde mir ein, der Fuß ist noch bunter und mindestens so geschwollen wie gestern, aber die Schmerzen haben nachgelassen und gehen klappt auch schon etwas besser. Es scheint zum Glück, nur eine Prellung des Knöchels zu sein. Heute sitze ich den ganzen Tag im Zimmer, korrespondiere noch etwas mit dem ADAC und Slava und halte Kontakt in die Heimat. Da ich ja genügend Verpflegung bei mir habe, ist das auch kein großes Problem, zumal ich ja nicht alles nach Hause schleppen will.

Morgen möchte ich die Umgebung erkunden und Kirill besuchen. Ich muß noch Aufnahmen von der 🐮 machen.

3.9. Erkundung von Kamysjak

Mitten im Wolgadelta aber auf direkter Route von Georgien nach Kasachstan. Ein idealer Ort für Reparaturen oder eine preiswerte Übernachtung.

Kirill‘s Werkstatt und sein GPS: 46.11262, 48.07285. Bei Overlander bereits eingetragen.

Meine Unterkunft und die Koordinaten: 46.10533, 48.06999. In der Overlander App findet sich bereits ein entsprechender Eintrag

Der Haupteingang
Mein Hotel, Seitenansicht

Morgens regnete es in Strömen, gut so, mein Fuß braucht noch etwas Ruhe, auch wenn er jetzt schon viel besser aussieht.

Der gesunde Fuß zum Vergleich

So gehen 13:00 Uhr, nach dem duschen, verlasse ich dann erstmals die schützende Höhle und gehe langsam und noch unter Schmerzen, Richtung Kirills Werkstatt. Er erwartet mich bereits und zeigt mir alle defekten Teile.

Die Gabelbrücke ist gerissen, das Cockpit zerstört und an einem Gabelholm ist zum Glück nur die Endschraube schief. Am meisten Sorgen bereitet mir aber die Felge bzw. der Vorderradreifen.

Er hält keine Luft, aber Kirill meint, dass bekommt er hin. Ich sehe in seiner Werkstatt, dass er auch Reifen montiert, es könnte somit klappen.

Für die Gabelbrücke und das Cockpit hat er bereits gebrauchten Ersatz in Moskau ausfindig gemacht. Einziger Nachteil, der Tacho ist in Meilen. Aber Hauptsache ich kann die 🐮 über die Grenze bringen. Einen Ersatztacho gibt es regelmäßig in der Bucht (eBay) für kleines Geld. Das ist jetzt das Stichwort und ich muß zum nächsten Geldautomaten bzw. zur nahe liegenden SberBank. Die Ersatzteile kosten 23000 Rubel / 74 und Vorkasse ist angesagt. So gehe ich ca. 2 km zur nächsten Bank zurück und stelle nebenbei fest, das es immer besser geht. Nach einer Stunde bin ich wider an der Werkstatt und nach der Bezahlung und einem netten Plausch fährt mich Kirill zurück. Er muß nun in die selbe Bank das Geld einzahlen, na prima, warum lässt er mich dann extra laufen? So ist halt Russland, freundlich aber manchmal etwas kompliziert.

Bei meiner Unterkunft ist auch ein Bierlokal. Hier gibt es mindestens 40 Sorten Bier. Einige in Flaschen, den Rest bekommt man in Plastikflaschen direkt aus Zapfhähnen aus der Wand. Frisch abgefüllt, verschlossen und gut gekühlt. 2 Sorten schaffte ich heute.

Danach ging’s ins Hotel bzw. das angeschlossene Restaurant. Hier gab es nun Suppe und Schnitzel mit Kartoffelbrei.

Nebenbei tat sich für Morgen ein Ausflug für mich auf. Es geht zum Fischen. Die nette Bedienung und Ihr Ehemann luden mich zum Fischen ein. Da sag ich nicht nein. Ab 9:00 geht es los. Gegen 20:30 liege ich im Bett, heute ist der erste Abend wo der Fuß nicht mehr permanent schmerzt und ich wider etwas Oberwasser habe. Gute Nacht.

4.9. Fischen und Zeit 💀 schlagen

Die Erschöpfung und der Schock sind wohl aus meinen Knochen. Erstes Indiz, ich schlief schlechter ein und ich regte mich nachts über das Hundegebäll vor meinem Fenster auf. So war ich zeitig wach und stand pünktlich um 9:00 parat. Abgeholt wurde ich von Malika. Mit Ihr zusammen ging es raus aus der Stadt und zum nächsten Wolgaarm. Dort fischten wir 1 1/2 Stunden und mit dem letzten Wurm gelang mir ein kapitaler Fang.

Danach ging es zurück. Ich hatte Malika, sie war die Bedienung im Restaurant, 90 Rubel Trinkgeld gegeben. Sie revanchierte sich mit dem Kauf von 2 Melonen 🍉 für mich. Ich wurde beim Hotel abgesetzt, verspeiste eine Melone, nervte Kirill mit weiteren Fragen und Wünschen und machte mich dann auf, den Ort von West nach Ost zu durchqueren.

Hier ein paar Impressionen vom einem Friedhof und einem Schiff fernab der Wolga.

Gerade war ich nochmals bei Kirill. Er hat mir die Tracking Nummer der Warensendung gegeben. Ich glaube, dass war ein Fingerzeig, ihn nicht ganz zu sehr zu nerven.

Aber wir haben noch ein zweites Problem. Mein Helm. Eine Visierbefestigung hat sich beim Unfall gelöst und auf nimmer Wiedersehen verabschiedet. Somit hält das Visier nicht mehr richtig und ich brauche Ersatz. Dieses gibt es wahrscheinlich nur in Moskau. Ich habe Kirill Bilder und eine Anschrift per Facebook gepostet. Ich hoffe, er kümmert sich darum. Ansonsten muss es ein Klebeband sein.

Während ich dies schreib, ist es 16:30 Ortszeit und ich sitze in meiner Bierbar. Gegen 17:00 will ich essen gehen und danach auf mein Zimmer. Der Fuß pocht leicht rhythmisch aber er hat den ganzen Tag mitgespielt, es geht somit aufwärts.

5.9,

Jetzt habe ich den ganzen Ort einmal umrundet und durchquert. Neben einer nett anzusehenden Kirche und dem obligatorischen 2 WK Denkmal gibt es wahrlich nicht sehr viel zu entdecken.

Ich stelle deshalb b.a.w. die Berichterstattung ein und melde mich erst wider, wenn ich aufbreche bzw. es gravierende Neuigkeiten zu berichten gibt.

Es ist jetzt 18:30, ich sitze in meinem Bierlokal und teste weitere Sorten. Morgen probiere ich hier einmal die hauseigene Pizza 🍕 und übermorgen will ich einmal versuchen, an Kaviar zu kommen. Somit ist dann wohl auch klar, dass ich noch etwas in diesem Ort verbleiben muss. Kirill, hat die Warensendung in der Beobachtung und meinte, es dauert mind. noch 7 Tage. Also vor dem 13/14.9. komme ich hier nicht weg. Wie sagt Kirill, it’s Russia. Trotzdem glaube ich, mit Kirill machte ich einen Glücksgriff. Er zeigte mir heute nochmals die „Obere Gabelbrücke“ und meinte, er hätte sie auch schweißen können, nur bei der ersten richtigen Bodenwelle wäre das Ganze dann gebrochen. Das Teil sei einfach zu dünn, die von Kawa oder Honda seien einfach stabiler und zum Beweis, zeigte er mir ein Beispiel. Wie dem auch sein, ich kann nicht verlangen, dass BMW Teile einbaut, damit meine Fahrfehler ausgeglichen werden.

Kirill sagte zudem, ich hätte richtig Glück. Die Ersatzteile sind normal nicht zu bekommen und eine Warenlieferung aus dem Ausland würde länger dauern. Ich kann es nicht beurteilen, ich kann nur hoffen, dass die Ersatzteile in Ordnung sind, keine unerkannten Defekte bestehen und die 🐮 nach der Reparatur anspringt. Bei der Felge und dem Reifen bin ich zwischenzeitlich sehr optimistisch, dass Kirill den dicht bekommt. Er meinte, da solle ich mir keine Sorgen machen, er wisse wie das geht. Auch zu meinem Helm deutet sich eine Lösung an. Heute morgen sah es noch recht schlecht aus. Das Ersatzteil bekommt man in 🇩🇪 im Paar für 3€. Hier ist es nicht lieferbar. Selbst beim Schuberth Vertragshändler in Moskau hieß es – keine Chance.

Irgendwie wurde Kirill dann etwas wirtschaftspolitisch.

Er meinte, vor den Sanktionen der USA und der EU hätte es den Russen besser gegangen. Sie hätten sich die guten Produkte aus dem Westen leisten können. Damals, so meinte er, war der Kurs 1$ = 30 Rubel. Heute notiert der Rubel 1 / 60. Viele Produkte sind schlichtweg nicht mehr lieferbar oder unerschwinglich. Doch wie reagiert der einfache Russe? Besonders wir Deutschen sollte das aus unserer gemeinsamen, leidvollen Vergangenheit eigentlich Wissen. Zuerst einmal wird repariert und improvisiert und dann gibt es da eine riesige Grenze im Osten. Dem roten Drachen ist unser Embargo schlichtweg egal. Er liefert, zwar minderwertige Ware, aber die Leute bekommen Ihre Bedürfnisse befriedigt. Ein Embargo, wird den Russen niemals zum Einlenken bewegen – nicht heute und nicht in hundert Jahren, besonders dann, wenn die Asiaten fleißig Kasse machen und auf unsere Moral schei……

Kommen wir zurück zu meinem Leben. Es ist zwischenzeitlich bereits 19:30, meine Plastikflasche „Bavaria brown“ leert sich und ich sollte so langsam ins Hotel. Mein Hotel ist sogar bei booking.com gelistet: Mini Hotel Hutorok

Ich finde, es wird nur etwas zu positiv angeboten, aber vielleicht gibt es da noch Etagen, die ich nicht gesehen habe.

Nun geht es doch noch in die Verlängerung! Es schlägt 20:15, das Bierlokal gehört Leuten aus Armenien 🇦🇲 und im Fernsehen läuft Italien gegen Armenien. Bereits nach 2 Minuten ist hier der Teufel los. Ich bleibe noch und melde mich in den nächsten Tagen. Gerade schießt Armenien ein Tor.

Es wurde ein langer Abend, Armenien verlor zwar 1:3 aber ich wurde zum Essen und Trinken eingeladen.

6.9.

Kirill und seine Frau habe mich ab 17:00 zu einem Ausflug, in die nächsten Großstadt (Astrachan) eingeladen. So brausen wir pünktlich in Kirills Auto in die City. Ich habe nicht nachgeschaut, aber ich denke so ca. 500T bis 1 Mio. Menschen leben hier. Besonders erwähnenswert ist der historische Kremel dieser Stadt. Das gut erhaltene Zentrum mit Stadtmauer, Verwaltungsgebäuden und der obligatorischen Kirche.

Danach ging es in einen Kaviarladen zum Probieren. Dieses Touristenmotiv darf nicht fehlen!

Wir bunkerten in einem Supermarkt noch ein paar Büchsen „Bud“(weiser) und getrockneten Fisch als Knabberei. Dann fuhren wir zurück und die Beiden luden mich zu sich, in Ihr Haus ein. Sie tischten dann noch Lachskaviar und gefrorener Fisch auf. Laut Kirill sind diese kleinen, ganzen Fische eine Delikatesse und kommen nur in Wolgadelta vor. Sogar bis Moskau sollen sie exportiert werden. Ich will nicht verschweigen, dass dies schon etwas gewöhnungsbedürftig war. Tiefgefrorene ca. 8cm lange Fische, die man zuerst auseinander reißt und dann nur das Filet (den Loin) entnimmt und ißt. Mit Bier schmeckt es tatsächlich!

Es wurde noch ein netter Abend, Google Translator und etwas guter Wille, führten zur Völkerverständigung. Aber halt, Olga die Frau von Kirill sprach zudem etwas deutsch, wir verstanden uns prima und ich wurde noch meine Gastgeschenke aus Deutschland los. Gegen 23:10 war für mich dann Schluß. Den Weg zum Hotel kenne ich zwischenzeitlich im Blindflug. Dort war große Disco angesagt, ich habe nichts mehr mitbekommen und schlief wie ein Stein.

7.9.

Heute habe ich dann einmal was wäre wenn durchgespielt. Was wäre wenn, die Maschine spätestens am kommenden Dienstag fertig würde und ich zudem meinem Fuß die Belastung zutraue. Viele wenn‘s!!!!

Um es kurz zu mache, es könnte immer noch funktionieren. Einzig die Rückreise von Batumi (Georgien), kann ich nicht per Schiff über das Schwarze Meer antreten. Ich muss die Landpassage durch die Türkei nehmen. Aber da fällt mir ein, es ginge auch per Poti (Georgien). Einziger Nachteil, es gibt keine festen Termine. Wie vor zwei Jahren werde ich dies erst sehr kurzfristig entscheiden können. Das sehen wir dann, wenn es soweit ist. Ich habe nun sowohl das Hotel im Iran als auch meine erste Unterkunft in Samarkant angeschrieben und die möglichen Termine angefragt. Mehr kann und will ich zu diesem Zeitpunkt nicht unternehmen. Was nützt es, wenn ich jetzt alle wild mache und spätestens am Dienstag alles zum zweiten Mal abblasen muß?

Der ADAC ist für mich eine Enttäuschung. Wir erinnern uns. Ich hatte bereits am 1.9. den Klub informiert und um Hilfe gebeten. Positiv war, man nahm direkt Kontakt mit mir auf und rief mich auf meine russische Nummer zurück. Die nette Dame faselte dann etwas von: „es wäre Hochsaison und viel zu tun“ und meiner Pflicht auf Schadensbegrenzung. Hier meinte sie dann ganz konkret die mögliche Rückführung der BMW. Als ob ich meine 🐮 freiwillig alleine lassen würde!! Ich nahm mir also ein Hotel zu ca. 7€, andere würden hierzu Loch sagen und lebe diese Schadensbegrenzung. Von Slava wußte ich bereits, dass da was fault ist. Er managt solche Rückführungen aus Russland und sollte es eigentlich Wissen. Ich schrieb also den ADAC an und bat darum, mir die Leistungen meiner Plusmitgliedschaft in meinem speziellen Fall mitzuteilen. Was soll ich sagen, der Erstkontakt war innerhalb von 3 Stunden erfolgt. Auf meine Anfrage, an die selbe Adresse warte ich seit 6 Tagen!!

Da es nun spannend wird und ich am Montag oder Dienstag sehen werde, ob Kirill erfolgreich sein wird, muß ich auch eine andere Option berücksichtigen. Die Laufzeit meines Transitvisums darf ich nicht aus dem Auge lassen. Aus diesem Grund habe ich mich in mein ADAC Konto geloggt und meine Tarifdetails nachgeschlagen. Was soll ich sagen, ich müßte nur 3 Tage warten. Erfolgt bis zu diesem Zeitpunkt keine Reparatur, habe ich Anspruch auf Rücktransport (das sind ca. 3-4T€), einen Rückflug (ca. 250€), einen Dolmetscher (max. 160€) sowie Ersatz der Hotelkosten (max. 3 * 85€). Nun ist mir klar, warum ich keine Antwort vom ADAC bekomme. Auch hier wird es somit am kommenden Mittwoch spannen, läuft die 🐮 bis dahin nicht, bekommt sie einen Heimtransport deluxe, lieber ADAC.

Nun sind es 20:45, ich sitze bei den Armeniern, schlürfe meinen zweiten Liter Bavaria Brouwn und schaue England gegen Bulgarien. Ich muß nicht extra erwähnen, daß ich bereits eingeladen wurde. Die Armenier mögen mich und ich Sie. Eine Einladung eines Gastes zum Fischen auf dem Kaspischen Meer habe ich abgelehnt. Das ist mir zu weit weg und zu unsicher. Ich will meinen Fuß so spät wie nur möglich solchen Belastungen aussetzen.

8.9.

Ich checke mehrmals täglich den Status der Warensendung. Bisher nichts. Für abends hatte ich dann armenisches Kotelett vorbestellt.

Das wird hoffentlich mein letzter Abend in Russland. Spätestens am 11.9. morgens schließt sich das Fenster zum Aufbruch. Aus diesem Grund habe ich meine Unterkünfte in Usbekistan erneut gebucht. Internet sei Dank. Jetzt hoffe ich nur, dass ich am Mittwoch nicht wieder alles stornieren darf.

9.9.

Nichts, ich habe den ganzen Tag gewartet. Keine Rückmeldung vom ADAC. Kein Vollzug von boxberry.ru was die Warensendung betrifft. Ich beiß langsam in die Tischplatte!

Einzig der Helm ist repariert

und mein Fuß heilt langsam aber sicher. Vielleicht ist diese Zwangspause auch gut. Vor 2 Tagen wäre es sehr problematisch gewesen mit diesem Fuß längere Strecken zu fahren. Ich weiß auch jetzt noch nicht ob es funktionieren könnte. Ich will so gerne den „Registran“ sehen!

10.9.

Wie schön, Sie steht wider

Es sind kurz vor 19:00 und Kirill teilt mir mit, daß die 🐮 läuft. Endlich. Für seine Dienste will er 10.000 Rubel. Ich packe meine Sachen und mache mich auf den Weg zu Kirills Haus. Auf den ersten Blick, sieht man nichts mehr. Eine Probefahrt verläuft auch zu meiner Befriedigung. Das gibt dann einen Bonus von 2.000 Rubel für Kirill. An das Cockpit muß ich mich gewöhnen. In Deutschland stehe ich schon in Verhandlungen, um ein gebrauchtes mit km/h Einteilung zu bekommen. Für den gerissenen Scheinwerfer habe ich bereits in der Bay einen Ersatz ersteigert. Alles in allem, beläuft sich der Schaden auf unter 700€.

Morgen breche ich auf, Richtung Kasachstan. Mein Weg führt mich nach Oralsk. Dass liegt ganz im Nord-Osten und direkt an der Grenze zu Russland. Habe ich Schwierigkeiten ziehe ich die Option meines russischen Transitvisums und reise wider nach Russland ein, um auf direktem Weg Richtung Ukraine und Heimat aufzubrechen. Klappt es besser als ich denke, besteht auch immer noch die Option, weiter Richtung Usbekistan 🇺🇿 zu fahren. Ich halte dies für sehr unwahrscheinlich aber möglich. Es hängt jetzt alles vom Straßenzustand und dem Vorderreifen ab.

Russische Grenze (31.8.19) bis ins Wolgadelta

Ich rollte zügig auf die mir zugewiesene Abfertigungsstation zu. Ein Grenzposten hatte meinen Ausweis bereits vorher angesehen und ich nehme an, ich bekomme den Zöllner mit den meisten Kenntnissen der englischen Sprache, denn merke: Russen sprechen fast nur russisch. Am ersten Zollhäuschen stockte es bereits, mein Transitvisum mit doppeltem Eintritt ist ungewöhnlich und die Dame an der Kontrolle fand das auch. Für verdächtige 10 Minuten sah ich sie nicht mehr wider und in der Zwischenzeit wurde mir von einem anderen Zöllner mein Führerschein abgenommen. Er wies auf ein anderes Zollhäuschen und sagte ich solle nachher dort den Führerschein abholen. Warum, weshalb? Es sollte sich alles klären. Zwei Zöllner versuchten sich in Small Talk und einer betastete und knuffte immer wieder den Seesack. Meine Gedanken hierzu: „Bitte nicht auspacken“.

Meine Gebete wurden erhört, die Zöllnerin tauchte auf und nun gab es den gewünschten Einreisestempel. Ich rollte zum nächsten Zollhäuschen. Dort klärte sich dann alles. Russland und Kasachstan bilden u.a. eine Zollunion. Bei der Einreise mit einem Motorrad oder PKW ist noch eine Zollerklärung abzugeben und diese würde mir die Einreise nach Kasachstan merklich erleichtern und erst bei der Ausreise nach Usbekistan hätte ich wider mit Zollformalitäten zu kämpfen. Das temporäre Einziehen meines Führerscheins war nur als Pfand gedacht und sollte verhindern, dass ich ohne Zollerklärung abbrause. So die Theorie und nun zur Praxis. Ich erhielt 3 Formulare und mir wurde gesagt, dass im angrenzenden Gebäude ein Beispiel zum Ausfüllen an der Wand hängen würde. Also nichts wie hin, alle persönlichen Daten eintragen und den Rest gemäß Vorgabe abschreiben. Danach in die Schlange einreihen und vor dem besagten Häuschen warten bis man an der Reihe ist. Gegen 14:00 war ich durch und die letzte Passkontrolle lag hinter mit. Russland ich komme.

Blick zurück auf die Grenzanlagen
Hinter der Grenze Richtung Inland

Es ging ab jetzt über gut ausgebaute Straßen nach Tschetschenien Richtung Grosny. Auffallend waren die vielen Kontrollen, die auch vor mir nicht halt machten. Kein Vergleich zum freundlichen Auftreten in der Türkei oder dem Iran. Die Russen machen hier keine Ausnahmen. Je weiter ich nach Osten komme, desto weniger große Ortschaften muß ich durchqueren, ein Vorteil, denn dann geht es einfach schneller. Was mir auffällt, überall an den Ortsausgängen gibt es Motels 🏨 und die heißen im kyrillischen auch so. Es wird mir somit nicht schwer fallen heute Abend eine solche Unterkunft zu nehmen, denn bei der Masse an Polizei wird Zelten schwer möglich sein.

Gegen 15:00 kurz vor dem anvisierten Tankstopp passiert dann das erste Missgeschick. Beim überqueren einer großen Kreuzung mit Bodenwelle verzögert die 🐮 plötzlich und ein sirrendes Geräusch liegt in der Luft. Bitte nicht der Kardan!!! Ich schaffe es noch fast bis zum Straßenrand und halb auf der Kreuzung stehend schaue ich nach dem möglichen Schaden. Es ist wieder die Abdeckung vom Hinterrad. Genau wie damals in der Türkei. Sie hatte sich gelöst und zwischen Reifen und Aufhängung verkeilt. Das Problem ist lösbar. Ich entferne das Teil, kontrolliere den Hinterreifen auf Beschädigung und weiter geht es. Kurz darauf der nächste Ärger. Eine Polizeikontrolle. Ich wurde gezielt rausgefischt. Was hatte ich verbrochen? Kurz gesagt auch im Nachhinein kann ich es nicht sagen. Der ganze Vorgang ereignete sich wie folgt: Angehalten, Pass zeigen, Aufforderung zum Absteigen, in ein Polizeiauto geleitet, dort frage jemand etwas was ich nicht verstehen wollte und als dem das dann zu viel Aufwand wurde und ich gesichtswahrend die letzte Frage bezüglich Russland mit, ich mag Russland beantwortete, war ich entlassen und durfte weiterfahren.

Das sollte mir eine Lehre sein. Stunden später kam ich dann, es dämmerte bereits, in die nächste Kontrolle. Hier war ich nicht schnell genug mit dem Pass und schon wieder stand eine Personenkontrolle an. Diesmal aber eine militärische. Ich mußte zu einem Häuschen, durch einen Metalldetektor und dann zur Kontrolle meiner Dokumente. Dies ging aber so fix, dass es mich nicht sehr aufregte und störte.

Nach mehr als 730km, es war zwischenzeitlich stockdunkel, stand mein Entschluss fest, das nächste Motel aufzusuchen. Nur leider war dieser Teil des Landes total verlassen. Leere Straßen, fast kein Verkehr mehr und so fuhr ich weiter bis die Straße plötzlich endete und ein Baustellenabschnitt sich schier endlos dahin zog. Völlig unbefestigte Straße, nur Sand und Geröll. Ich war vorsichtig und führ langsam stehend in diesen Abschnitt und es funktionierte prima. Vielleicht zu prima, den ich erhöhte langsam die Geschwindigkeit auf ca. 30km/h.

Georgien – Tiflis (31.8.19) bis zur russischen Grenze

Nach einem Liter Bier, einem 1/2 Liter Cola Zero und einem 1/2 Mineralwasser und einem schön temperierten Zimmer schlief ich hervorragend. Als der Wecker um 5:30 ging, wollte ich erst nicht so recht und es dauerte bis ich endlich um 6:10 in der Lobby des Hotels stand. Dort wartete bereits mein Lunchpaket auf mich und ich musste nur noch 3 Mal den Aufzug benutzen um meine zwei Seitenkoffer und den Seesack nach unten zu schleppen. Ein Blick nach draußen und meine gute Laune war etwas eingetrübt. Es regnete in Strömen. Der Regen, der schon gestern angekündigt war und dann Gott sei Dank, sich verspätet hatte. Heute hatte ich wenigstens die richtigen Klamotten an. Zum Glück stand meine 🐮 unter einem Vorsprung und so wurde ich beim bepacken nicht allzu Naß. Nach einer kleinen Malzeit ging es dann um kurz vor 7:00 ins morgendliche Tiflis und anders als abends empfingen mich angenehm leere Straßen. So machte das Fahren und Navigieren doch noch etwas Spaß und als ich die Stadtgrenze erreichte, hörte es langsam auf, in Strömen zu regnen. Die Landschaft stieg merklich an, der Himmel klärte auf, es wurde kälter aber die Straßen waren ab hier trocken. Die nächsten Stunden waren eine Lust zum fahren. Freie Strecke, viele Kurven und eine bergige und abwechslungsreiche Landschaft.

Kurz vor der Grenze, es war noch vor 11:00 machte ich an einem Kloster mit Bergsee Mittagspause und verspeiste mein Lunchpaket.

Die Grenze war nicht mehr weit, LkWs und PKWs mit russischen Kennzeichen häuften sich. Ab hier hieß es aufpassen, die Jungs und Mädels fahren wie die Henker. Jeder will noch schnell jemanden überholen, um eine bessere Position an der Grenze zu ergattern.

Gegen 11:30 war ich am georgischen Grenzposten und 5-10 Minuten später war ich schon durch. Nur ein Stempel im Pass und keine Gepäckkontrolle, so könnte es ruhig weitergehen. Nun ging es ins Niemandsland und hier schwante mir böses. Eine riesige Schlange von wartenden LKWs und PKWs standen hier relativ ungeordnet und so, dass der Gegenverkehr in Form eines LKWs nicht mehr durchkam. Chaos pur zumal es hier keine Polizei mehr gibt, wir sind schließlich im Niemandsland. Es dauerte 1 Stunde bis die menschliche Intelligenz sich bei einigen Teilnehmern durchsetzte und der ein oder andere bereit war, seinen PKW um ein Stückchen zu versetzen. Dann endlich war der gordische Knoten durchtrennt und nach einem langen Tunnel rollte ich langsam auf die russische Grenzstation zu.

Anreise und Übernahme der 🐮 in Tiflis

Pünktlich um 18:30 ging es mit airBaltic Richtung Riga. Ich hatte einen Platz am Notausgang und soviel Platz wie im Businessbereich der Maschine. Gebucht hatte ich ein Essen, es gab gebeizten Lachs, lettische Hähnchenbrust, frische Kartoffeln und einen Salat. Ein süßer Nachtisch rundete das Ganze ab. Dazu gab es einen Becher Weißwein. So war der insgesamt 1 1/2 stündige Flug recht schnell vorbei. In Riga angekommen ging es zügig durch den Transit und meine Maschine hob pünktlich um 23:30 Richtung Tiflis ab. Auch hier hatte ich einen super Platz, nicht ganz so luxuriösen wie beim Vorflug, bin ich schön verwöhnt? Dieses Mal gab es Rind asiatisch, den bereits bekannten Nachtisch und dazu ein Glass (richtig) Rotwein. Ich schlief während der nächsten 2 Stunden sehr gut 😊.

Um 03:30 Ortszeit, wir haben mittlerweile 2 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland, erfolgte die Landung. Pass- und Zollkontrolle waren in 5 Minuten erledigt. Im Airport habe ich dann versucht noch ein Mobilphone zu kaufen. Ich erwähnte es noch nicht, aber ich Hirsch habe doch glatt mein Handy zuhause vergessen. Was soll ich sagen – ich Depp, da fällt mir gerade ein Spruch von meinem Chef ein „Du sollst Dich erholen und keine Mails checken“. Irgendwie hat das mein Unterbewusstsein erfolgreich umgesetzt. Ein Handy könnte ich übrigens nicht kaufen, georgische Telefonkarten gibt es aber in Hülle und Fülle.

Danach suchte ich mir in einer dunklen Ecke ein ruhiges Plätzchen.

Der geneigte Leser vermutet richtig, es war nicht ganz bequem auf dem Boden, aber dunkel und ruhig. Ich schlief bis 8:30.

Meine Fahrt bis zur Spedition verlief wie ich es schon oft erlebte. Unrealistische Preise, eine gestenreiche Verhandlung mit den Taxi-drivern, sich einigen (30 Lari = 10€) und dann eine ca. 20 minütige Fahrt.

Natürlich wußte auch diesmal der Taxifahrer nicht, wohin er mußte. Zig mal stoppten wir zum Nachfragen und letztlich kassierte er noch eine Knolle (50 Lari), von der Polizei, wegen Falschparkens. Das hat sich echt für Ihn gelohnt! Glücklich angekommen, erfuhr ich dann, dass ich falsch war. Das hatte sich dann für mich gelohnt!

Nach einigen klärenden Telefonaten, man war in der Spedition sehr hilfsbereit, wusste ich mehr. Angeblich hatte man mir eine andere Abholadresse mitgeteilt. Man erwartete mich woanders und ich müsse nun 1-2 Stunden warten bis ein Mitarbeiter mit den Dokumenten mich abholen könnte. Naja, somit habe ich nun Zeit für diese Zeilen. Gerade wackelt mein heutiger Zeitplan gewaltig und ich bin gespannt wie es heute noch weitergeht. Nun heißt es sich zu gedulden. Ich sitze im Büro der Spedition und habe es mir bequem gemacht.

Was soll ich sagen – Pannen, Pech und Pleiten waren heute mein ständiger Begleiter. Jetzt liege ich aber in einem sehr gemütlichen Hotelzimmer und kann ganz entspannt bei einer Pulle Bier davon berichten. Das Hotel ist im übrigen sehr empfehlenswert. Hotel Orion old Town, 3/5 Armazi Street, man findet es bei booking.com. Ich bezahlte 120 GEL (38€) inkl. Frühstück und bewachten Parkplatz. Aber nochmals zurück zum Anfang. Es dauerte bis 15:30 bis man mich abholte. Beim Zusammenbau erhielt ich tatkräftige Hilfe und so begann ich zu hoffen, es zumindest bis zur russischen Grenze heute noch zu schaffen. Das war mein geplantes Mindestziel. Daraus wurde aber wie Ihr bereits wisst leider nichts. Beim Zusammenbau des Windschilds, das ist bei der 🐮 recht trikky, verabschiedete sich eine Mutter auf nimmer Wiedersehen im Innenraum der BWM, kurz zuvor sagt ich noch zu meiner Hilfe „be carefull“. Wir haben Sie auch nach 10 Minuten intensiver Suche nicht mehr gefunden. So mussten wir nachdem dann der Rest fertig war noch in die KTM Werkstatt meiner Spedition und das hieß in der Rush Hour quer durch Tiflis. Ich sage nur 19:00. Dort ging es dann endlich einmal fix. Die Reparatur dauerte nur 5 Minuten, ich nutzte das vorhandene Werkzeug um auch die restlichen Anbauten nochmals nachzuziehen. Aber es war nun definitiv zu spät. So ließ ich mir durch die KTM Mitarbeiter ein Hotel empfehlen und buchen. Keine schlechte Entscheidung. Das Zimmer ist sauber und gemütlich, ich bin nun sauber und nach einem Liter Bier recht entspannt und Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Es folgen noch ein paar Impressionen und ich sage schon einmal gute Nacht. Ach ja, Tiflis lohnt einen Kurztripp. Dani merk es dir schon einmal vor.

Und zum Schluss noch ein Blick aus meinen Fenster. Tiflis bei Nacht.

Vorbereitung in Deutschland

Was lange währt wird endlich gut; 

oder sollte es am Ende doch heißen;

das dicke Ende kommt bestimmt!

Lassen wir uns überraschen, denn zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht klar, ob alles wie gewünscht ablaufen wird. Meine Vorbereitungen sind heute, am 25.8.2019 zu 99,9% abgeschlossen, es wird auch Zeit, denn am 29.8. geht es Richtung Georgien 🇬🇪. 

Aber beginnen wir ganz zu Anfang.

Hauptziel meiner anstehenden Reise ist diesmal Usbekistan 🇺🇿 und hierbei besonders die Region um Samarkand, Buchara und die Oase 🏝 Chiwa. Um dorthin zu gelangenden ist etwas Logistik gefragt. Nach einiger Recherche bin ich auf einen Anbieter, die Firma Slava Tour West-East Travel (www.ktm-georgia.com) aufmerksam geworden . Recherchen im Internet rundeten den aufgrund etlicher Telefonate gewonnenen positiven Eindruck ab. Für ca. 900€ geht meine R1200GS ADV (die Gummikuh 🐮 ) auf Reisen. Ziel ist hierbei Georgien 🇬🇪.

Aber ich greife schon wieder vor. Zuerst musste ich meine Gummi-🐮 per Hänger zum Kooperationspartner von Slava anliefern. Es ging Richtung Süden nach 89160 Dornstadt. Die TLO internationale Spedition hatte den Transport zu übernehmen. Doch bevor es soweit kam war noch etwas handwerkliche Arbeit nötig. Eigenhändig erfolgte dann das demontieren und verpacken in eine recht knapp bemessene Holzkiste.

alles sieht so einfach aus!

Ich hatte hierfür eigentlich nicht mehr als 1 1/2 Stunden eingeplant, es sollten aber 3 Stunden werden. Danach folgte das Ausfüllen einiger Dokumente und die Übergabe des KFZ-Scheins. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich mir besser hiervon eine gute farbige Kopie hätte machen sollen. Aber hierzu später mehr.

Glücklich endlich alles erledigt zu haben, machte ich mich danach auf den Weg zurück nach Aachen. Mein Motorrad sollte nun ca. 3 Wochen unterwegs sein.

In den nächsten Wochen erfolgte dann die Planung der Reiseroute und die Buchung des Fluges nach Tiflis / 🇬🇪. Ich kann hier AirBalic sehr empfehlen.

Die Route:

Ich übernehme die 🐮 im Zolllager Tiflis, nicht weit vom Flughafen entfernt und dann geht es direkt weiter nach Russland 🇷🇺. Über Tschetschenien / Grozny und dann entlang des Kaspischen Meers ins Wolgadelta. Dort Übertritt nach Kasachstan 🇰🇿 und dann folgt ein weiter Bogen von Nord nach Süd um nach ca. 3000 km bei Taschkent die Grenze zu Usbekistan 🇺🇿 zu überschreiten. 

In Usbekistan hoffe ich Samarkand, Buchara und Chiwa  zu besichtigen. Entsprechende Unterkünfte habe ich über booking.com reserviert. 

Von Chiwa aus geht es dann nach Turkmenistan durch die Karakum-Wüste zum „Tor zur Hölle“ und weiter nach Ashgabat der weißen Stadt. Dort hoffe ich dann auch die Grenze zum Iran 🇮🇷 ohne Probleme übertreten zu dürfen. Im 🇮🇷 möchte ich nochmals zu meiner Oase 🏝 und danach Isfahan besichtigen. Hier habe ich ein  mir bekanntes Hotel bereits gebucht. Was dann noch möglich ist werde ich mir zudem anschauen, nur nach 7 Tagen muss ich spätestens in Armenien 🇦🇲 ankommen. Hier bleibt nicht viel Zeit und Georgien 🇬🇪 ruft. Meine Fähre in Batumi wartet nicht, ist aber hoffentlich pünktlich und so geht es dann über das Schwarze Meer nach Odessa / Ukraine 🇺🇦 und dann im Transit bei Lemberg nach Polen 🇵🇱 und von dort über die gute alte A4 Richtung Heimat. Auch wenn der letzt Teil sicher nicht zur Seidenstraße zählt, fand ich „Seidenstraßenexpress“ sehr passend.

Auf dem Papier oder besser gesagt in meinem iPad ist die ganze Reise schon erledigt. Wie schön, dass nach der ganzen Theorie auch noch die Praxis folgt! Bereits während der Planung und ich war diesmal echt früh dabei, türmten sich die Probleme auf. 

Für die Einreise in den Iran 🇮🇷 benötigt man immer noch ein Carnet de Passage. Diese Garantieerklärung stellt der ADAC für saftige 230€ zzgl. 3000€ Kaution aus. Eigentlich ein mir bestens bekannter Vorgang. Leider erfuhr ich nun, dass der 🇮🇷 die Einfuhrbestimmungen für Motorräder 🏍 verschärft hat, bzw. eine alte Bestimmung nun konsequent anwendet. Mit anderen Worten, ich komme mit der 🐮 nicht rein und wer sich meinen Reiseroute anschaut der merkt recht schnell, ich komme dann nur noch zurück. OK, es gibt da noch Alternativen, aber die sind für jemanden mit äußerst knappen Zeitplan und bei Tageslicht betrachtet, nicht diskutabel.

Somit musste ich zuerst ein spezielles Russland 🇷🇺 Visum beantragen. Hier empfehle ich sehr VisumBerater Plus UG (www.visumberater.de) aus Berlin. Preislich noch ok und viele optionale Visa. Fazit, alles was Russland erlaubt, wird hier möglich gemacht.

Dort bekam ich ein Transitvisum mit doppelter Ein- und Ausreise, somit kann ich nun im Ernstfall von Usbekistan 🇺🇿 durch die Kyzylkum-Wüste nach Kasachstan 🇰🇿 und von dort über Russland 🇷🇺 in die Ukraine 🇺🇦 reisen. Es wäre halt eine etwas andere Route – wie gesagt im Notfall. Außerdem benötige ich das 🇷🇺 Visum auch als Nachweis um ein Turkmenisches Transitvisum zu erhalten. Aber halt, die Turkmenen wollen wissen, woher kommt man und wohin will man Ausreisen. Aha, ich brauche somit vorher auch das Iranische Touristen / oder Transitvisum. War da nicht noch ein Problem mit der Einreise mit der 🐮 ?

Es folgte nun eine 3 wöchige Konversation mit dem iranischen Konsulat. Ziel war es, doch noch eine Zusage zur Einreise mit meiner Gummi 🐮 zu erhalten und was soll ich sagen, Mission geglückt – zumindest zu 90% und der Rest soll nun Fortuna sein. Um bei der Wahrheit zu bleiben,neben meinen guten Kontakten zur Botschaft hat auch geholfen, dass es im Iran ein Umdenken gibt und per 23.8.2019 die Vorschrift wieder suspendiert wurde. Mein Visum habe ich nun aber für das Turkmenische reichte selbst bei Express Bearbeitung (10 Tage) die Zeit nicht mehr.

Nur ohne dieses Visum komme ich nicht in den Iran 🇮🇷 es sei denn, ich Reise über Afghanistan 🇦🇫 und das will sicher derzeit keiner.

Was war somit die Lösung? Einfach mal beim Konsulat anrufen, das Problem schildern und nett nach einer Lösung bzw. Hilfe fragen. Was soll ich sagen, der nette Turkmenische Beamte wusste Rat. Ich mußte meinen Pass kopieren und die restlichen Dokumente samt Kopie einreichen. Was wurde benötigt: Passkopie, 2 Bilder, der Visaantrag, ein formloses Schreiben in englisch, warum ich ein Transitvisum benötige, ein zweites formloses Schreiben mit der Bitte mir die Genehmigung per Mail zuzustellen, eine Kopie vom Führerschein und der Fahrzeugschein von der 🐮. UPS da war doch was, richtig den hatte ich ja im Original der Spedition geben müssen. Zum Glück hatte meine Spedition in Georgien bereits die Unterlagen und so hatte ich am nächsten Tag auch dieses Formular. Wer sagt eigentlich, dass Urlaubsvorbereitungen nicht spannend sind?

Wenn nun alles gut geht, bekomme ich während meine Reise eine Mail mit dem Einladungsschreiben und bekomme auf dieser Grundlage an der turkmenischen Grenze ein gültiges Transitvisum.

Es kann somit losgehen – die Route steht, eine Ausweichroute ist ebenfalls geplant. Am 29.8. gehts zum Flughafen.

Auf dem Weg nach Sachalin

Vorwort:

Diese Reise beginnt eigentlich bereits vor ca. 8 Jahren. Damals war ich das erste Mal in Sibirien. Genauer in der Gegend rund um den Baikalsee. Damals machte ich die nette Bekanntschaft mit einer älteren russischen Fremdenführerin (Vera) und ihrem Fahrer (Munko). Wir waren uns damals sehr sympathisch und so äußerte sich Munko damals, dass ich ihn unbedingt auf Sachalin besuchen solle. Dort würde er mich dann zum Bärenjagen und Lachsfischen einladen.

Solche Einladungen nehme ich zuerst einmal nicht sehr ernst. Da unser Kontakt aber über Jahre Bestand hatte und Vera immer wieder diese Einladung von Munko erneuerte, entstand dann Ende 2017 der Wunsch, in den fernen Osten zu reisen.

Im Dezember 2017 hatten wir (meine Frau und ich) dann die Reiseroute grob geplant.

Wir wollten eine Fahrt mit dem Postbus unternehmen, mit einem Postschiff auf dem Jenissej fahren, die Transsibirische 🚃 benutzen, im Baikal baden und dann die heißen Quellen nutzen, die herrliche Landschaften rund um den See erkunden und dann letztlich nach Sachalin aufbrechen um Munko zu besuchen.

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Transit durch die Ukraine 🇺🇦 

21.9.2017, 9.034 km: Von Odessa (Chernomorsk) über Lemberg bis zur polnischen Ostgrenze

Als ich um 1:30 Uhr endlich mein 🏍 auf die Landstraße setzte, war ich wohl ziemlich ungerecht. Fakt ist, der ganze Verwaltungsablauf ist recht suboptimal, aber ich bin immer sehr freundlich und zuvorkommend behandelt worden. Besonders süß war eine ältere Zöllnerin (in dem dunklen Büro), die mich nett mit „auf Wiedersehen“ verabschiedet hatte. Somit komme ich gerne Wieder, aber nur mit einer extra Ladung Baldrian.
Dafür entschädigt mich die 🇺🇦 nun mit freien und guten Straßen. Mit über 20 Grad ist es recht angenehm und ich komme gut voran. Gegen 4:00 Uhr fallen mir die Augen zu und es wird Zeit für ein Bett. Nur haben leider keine Hotels mehr offen und so lege ich mich kurzerhand auf die Einfahrt eines Hotels in voller Motorradmontur und schlafe augenblicklich ein. Nach einer Stunde werde ich wach und fühle mich soweit fit, um weiter zu fahren. Mein Weg führt mich durch viele Dörfer und hier sieht man, wie arm die Ukraine stellenweise ist.

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Iranrundreise; Teil 2

10.09.17
Shiraz

Gestern habe ich noch in einem Tourist Inn übernachtet, heute sollte es dann wider Camping sein. Dieses „Tourist“ In bezeichne ich mehr als Touristennepp, ganz ok aber überteuert. Für 1,5 Mio Rial oder wie die Einheimischen sagen 150.000 Tuman bekam ich einen Bungalow mit Air Condition, ohne Frühstück und sauberem Doppelbett. Das sind etwa 36€. In Isfahan bekam ich vergleichbares für 25 US$ inkl. Frühstück. Der Unterschied lag nur in privat oder staatliche Organisation. Alles was der Staat bestimmt, ist für Ausländer um ein vielfaches teurer. Das gilt im übrigen auch für sämtliche Eintrittpreise  Faktor 10) oder dem Umtausch von Geld (Wechselstube versus staatliche Bank).

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